Der Preis des Diätens: Stoffwechsel & Adaption

07.10.2013
Das Szenario dürfte prinzipiell jedem Neueinsteiger, Fitnessenthusiasten und Bodybuilder bekannt vorkommen: Es kommt die Zeit, wo man dem unliebsamen Körperfett den Kampf ansagt und sich – mal mehr, mal weniger durchdacht - in eine Definitionsphase stürzt. Die Motivation mag zu Beginn noch hoch sein und das rasch absinkende Gewicht auf der Waage bzw. die verlorenen Umfänge am Maßband lassen darauf schließen, dass es gut bis sehr gut voran geht. Läuft die Diät wie am Schnürchen, so fällt es den meisten Athleten und Kraftsportbegeisterten noch leicht am Ball zu bleiben – auch wenn die anfängliche Begeisterung zu bröckeln beginnt. Für den (Diät)Erfolg sind viele Menschen bereit die Zähne zusammen zu beißen und ohne Rücksicht auf Verluste nach vorzupreschen.
Doch eine Diätphase gestaltet sich in vielfacher Hinsicht wie der Aufbau und schon bald macht es auf der Waage und im Spiegel den Eindruck, als ob es nicht mehr nach vorne geht. Natürlich sind die Gründe im Aufbau anders, als die in einer Diät – das Training am Eisen und der gezielte Muskelaufbau sind eben keine Dinge, die innerhalb von wenigen Tagen und Wochen stattfinden und auch in einer Diät ist Geduld gefragt. Wer davon ausgeht, dass er die Pfunde, die er sich im Verlauf von mehreren Monaten und Jahren angefuttert hat, über Nacht wieder verliert, der ist schief gewickelt. Relativ schnell werden die Diätfortschritte stagnieren, aber warum?
Die Mechanismen des Körpers zur Regulation und Adaption können zunächst durchaus subtil sein. Mit zunehmender Dauer und steigendem Umfang – also der Höhe des Energiedefizits – wird es aber mehr und mehr schwieriger die Auswirkungen einer handfesten Diät zu ignorieren. Für viele Menschen sind es nicht einmal die physiologischen Effekte, die das Abnehmen derart schwierig und schwer zu ertragen machen, sondern die psychischen Auswirkungen, welche indirekt zu wirken beginnen. Je länger und härter eine Diät ist, desto stärker ist der Anstieg des Appetits. Heißhunger gesellt sich der aus Energiemangel resultierenden Lethargie bis zu jenem Zeitpunkt, an dem sich die Gedanken rund um die Uhr um das Essen und die Nahrungsaufnahme drehen. Im fortgeschrittenen Stadium verschonen euch derartige Gedanken aber nicht mal mehr im Schlaf und ihr fangt an - Nacht um Nacht - vom Essen zu träumen.
Simpel formuliert bedeutet dass nichts anderes, als das der Überlebensmechanismus des menschlichen Körpers aktiviert wurde. Denn genauso, wie man den Stoffwechsel durch zusätzliche Bewegung und adäquate Ernährung pushen kann, so kann sich der Metabolismus auch bei unzureichende Energiezufuhr nach unten regulieren. Unsere Körper wurden auf das Überleben programmiert und sind daher „nach unten und nach oben“ recht flexibel. Diät? So etwas kennt der Leib nicht – stattdessen wird ein akutes Überlebensprogramm gestartet, welches die Energienutzung effizienter macht und unnötigen Energieverbrauch (und kostspielige Energiefresser) sukzessive eliminiert. Gleichzeitig steigt „die Motivation,“ welche euch dazu zwingen soll auf Nahrungssuche zu gehen (das kennen wir als Hunger).
Stoffwechseladaption aus wissenschaftlicher Perspektive
Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die darüber entscheiden wie schnell und wie stark dieses Überlebensprogramm des Körpers aktiv wird. -Grad der Aktivität (hierzu zählt auch das Sportpensum) -Derzeitiger Körperfettanteil (je niedriger, umso schneller die Adaption) -Die Wahl der Nahrungsmittel (die Anpassung ist z.B. gravierender bei LC-Ernährung) -Die Dauer der Diätperiode (je länger, desto stärker die Auswirkungen) Daneben spielen sicherlich noch eine ganze Reihe anderer Faktoren eine entscheidende Rolle, wie etwa die Art des Trainings, derer ihr euch behelft um euer Ziel zu erreichen. So scheint beispielsweise das extensive Cardiotraining bei niedriger bis mittlerer Intensität rigorose Anpassungen bei der Schilddrüsenaktivität hervorzurufen kann (dies gilt im Speziellen für Frauen in einer Diät). [1][2][3][4] Das Absinken des Stoffwechsels in Zeiten der Energienot (zu geringe Kalorienzufuhr) ist derweil kein Mythos sondern ein Faktum. Die Frage, die man sich im Zuge einer Diät oft stellt, bezieht sich daher auf die Signifikanz dieser Stoffwechseladaption. In einer Untersuchung von Deutsch et al. (2006) beobachteten die Forscher die Auswirkungen einer 6-monatigen Diätphase in übergewichtigen (aber nicht Adipositaskranken) Männern und Frauen. [5] Hierzu unterteilte man die Studienprobanden in 4 Gruppen:- - Gruppe 1: Kalorienrestriktion von 25 %
- - Gruppe 2: Kalorienrestriktion von 12,5 % + eine 12,5 % Erhöhung des Energieverbrauchs durch Sport
- - Gruppe 3: Eine niedrigkalorische Ernährung bei lediglich 890 kcal/Tag bis zu einem Gewichtsverlust von 15 % des ursprünglichen Körpergewichtes
- - Gruppe 4: Keine Intervention, da Kontrollgruppe
- - Woche 1: 94 %
- - Woche 2: 91 %
- - Woche 3: 82 %

Kommentare (2)
Alex Schwaiger
October 10, 2013 19:54Hallo, du schreibst in deinem Artikel von einem Kcal-Defizit von 300-500. Von welchem Wert errechnest du denn dieses Defizit? Vom Grundumsatz oder vom Grund- und Leistungsumsatz? Danke für die Antwort und viele Grüsse, Alex
Pako
January 24, 2014 11:24Grund- und Leistungsumsatz.