Ich fühle mich wässrig – Wer kennt diesen Satz nicht.
Gerade von weiblicher Seite hört man diesen Satz mindestens einmal pro Monat. Nämlich dann wenn der Körper durch den veränderten Hormonhaushalt im Rahmen des weiblichen Zyklus vermehrt Wasser speichert.
Es sind nicht nur die Frauen welche unter einer vermehrten Wasserspeicherung leiden, sondern auch die Männer teilweise.
Eine erhöhte Wasserspeicherung führt zu einem Verlust des definierten Looks und einem höheren Körpergewicht.
Das erhöhte Körpergewicht kann nur ein paar hundert Gramm bedeuteten oder aber auch in extremen Fällen 5kg oder weitaus mehr.
Kleinere Schwankungen der extrazellulären Wassereinlagerungen sind gesundheitlich nicht weiter bedenklich. Grössere Schwankungen über längere Zeit hingegen schon.
Die Hormone
Wie so vieles in unserem Körper sind es auch bei diesem Thema wieder die Hormone, die für unseren Wasserhaushalt verantwortlich sind, nebst dem Wasser selbst und gewissen Mineralien wie Natrium.
Das zugrunde liegende Hormonkonstrukt ist äusserst komplex, denn es sind verschiedene Hormone involviert.
Dieses Hormonkonstrukt oder Regelkreislauf heisst Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS). Unter diesem Begriff sind diverse Hormone zusammengefasst, die beim Wasserhaushalt des Menschen eine entscheidende Rolle spielen.
Dieses System zeigt auch eindrücklich, dass sämtliche Hormone im Körper in Abhängigkeit zu anderen Hormonen sind und meistens auch ihre Gegenspieler (Antagonisten) besitzen.
Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System
Sobald sich der Wasser- oder Salzhaushalt im Körper verändert wird das RAAS aktiviert. Dieser Mechanismus ist überlebenswichtig um das Blutvolumen und den Blutdruck aufrecht zu erhalten.
Trinken wir nun vermehrt Wasser oder führen übermässig Salz zu, dann kommt der Körper aus dem Gleichgewicht und das RAAS reagiert.
Er kann nun mit Hilfe diverser Hormone seine Balance wiederherstellen.
Am Anfang steht immer das Hormon Angiotensin 2, welches aus dem inaktiven Angiotensin 1 gebildet wird.
Angiotensin führt dann zu einer vermehrten Freisetzung weiterer Hormone wie Aldosteron.
Die Ausschüttung von Aldosteron führt zu einer Hemmung der Natrium-Ausschüttung um eine zu tiefe Konzentration von Natrium im Blut zu vermeiden.
Eine Freisetzung des antidiuretischen Hormons (ADH bzw. Vasopressin) führt hingegen zu einer verminderten Freisetzung von Wasser.
Beide Hormone sorgen damit für eine Erhöhung des Blutdrucks und einer Steigerung des Blutvolumens.
Weitere Hormone haben hier auch ihren Einfluss. Es würde aber den Rahmen hier sprengen alle möglichen Zusammenhänge aufzulisten.
Die Praxis
Wir wollen aber die relevanten äusseren Einflüsse aufgreifen um zu zeigen welche Handlungen unsererseits Einfluss auf die optisch sichtbare Wasserspeicherung nehmen.
Der Mechanismus des RAAS ist lebensnotwendig und leider nicht immer im Sinne unseres optischen Erscheinungsbildes.
Das System kann sehr schnell reagieren, die körperlichen Auswirkungen auf die Optik sind aber sehr träge. So kann das Blutvolumen bereits wieder im Lot sein, die Wasserspeicherung unter der Haut aber noch immer vorhanden.
Nehmen wir in einer Mahlzeit eine grössere Menge Salz ein, welche unsere normale Salzzufuhr täglich deutlich überschreitet, dann werden wir innerhalb der nachkommenden Stunden eine vermehrte Wasserspeicherung unter der Haut feststellen.
Das RAAS hat entsprechend darauf reagiert. Dieser Effekt ist nicht bei allen Menschen gleich stark ausgeprägt.
Salz besitzt den mit Abstand stärksten Einfluss auf den optischen Effekt der Wasserspeicherung. Wir sollten daher versuchen, die Salzzufuhr auf einem normalen bis niedrigen Niveau zu halten.
Das bedeutet aber nicht, dass wir Salz bewusst streichen sollten. Es ist wichtig die eigenen Mahlzeiten normal zu salzen. Vorsicht geboten ist bei verarbeiteten Lebensmitteln, insbesondere dem gepökelten Fleisch, da wir hier bereits mit 100g Lebensmittel locker unseren Salzbedarf decken oder sogar überschreiten können.
Weitere Einflüsse
Von Krankheiten mal abgesehen sind es vor allem hormonelle Verschiebungen, die zu einer stärkeren Wasserspeicherung führen. Bei Frauen ist der weibliche Zyklus das beste Beispiel. Durch eine Erhöhung des Östrogenlevels führt dies im Körper zu einer Rückkopplung auf das RAAS und folglich einer Wasserspeicherung.
Eine leichte Verminderung der Salzzufuhr kann dieser Problematik leicht entgegenwirken.
Genetik, Sport & Supplemente
Leider ist das Potential zur Wassereinlagerung zu einem wesentlichen Teil genetisch vorgegeben.
Wir können aber durch Sport eine leichte Verbesserung hervorbringen, vor allem durch eine Reduktion des Körperfettanteils. Je tiefer dieser ist, desto geringer ist auch die mögliche Wasserspeicherung, da der Extrazellulärraum abnimmt.
Die Zufuhr von Brenneselkapseln kann ebenso helfen, gerade in Zeiten von vermehrter Wasserspeicherung eine Linderung zu verschaffen.
Chrysin oder DIM sind weitere mögliche Supplemente, da sie modulierend auf den Östrogenspiegel wirken und dementsprechend indirekten Einfluss auf das RAAS nehmen.
Ein Versorgung mit den Mineralien Kalium, Calcium und Magnesium muss auch ausreichend gewährleistet sein, da diese für die (erwünschte) Wasserspeicherung im intrazellulären Raum sorgen.
Auf keinen Fall sollten wir eine medikamentöse Beeinflussung dieses sensiblen Systems in Betracht ziehen, da dies zu Nebenwirkungen und einem starken Rückkopplungseffekt führt.
Tipp für alle Frauen:
Anti-Baby-Pille führt in fast jedem Fall zu dauerhaft erhöhter Wasserspeicherung!Fazit
Mit einer kontrollierten Zufuhr von Salz können wir unseren Wasserhaushalt gut unter Kontrolle halten.
Für die Frauen gilt während den heiklen Tagen des Zyklus die Salzzufuhr leicht zu reduzieren und eventuell die Einnahme von geeigneten Supplementen in Betracht zu ziehen.
Ein niedriger Körperfettanteil trägt auch wesentlich zu einer geringen Wasserspeicherung bei.
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